Evangelisch-Lutherisches

Kirchspiel Geithainer Land


Frühgeschichte der Stadt Geithain

Das neue Büchlein "Vom Turm geschaut"Zur Ergänzung und zur Vervollständigung seiner Studien zur Stadtgeschichte Geithains und zur Geschichte der Region West-Sachsens im Hochmittelalter legt Herr Dr. phil. Wolfgang Reuter erneut eine Veröffentlichung vor; sie ist am 18. März 2016 erschienen.

 

Wolfgang Reuter:

Frühgeschichte der Stadt Geithain 1096 bis 1186. Landnahme und Landesverwaltung in der Region Geithain im 12. Jahrhundert. 94 Seiten mit 10 Anlagen in Wort und Bild, mit 376 Anmerkungen. in: Vom Turm geschaut Nr.15, Schriftenreihe des Geithainer Heimatvereins, Geithain 2016. --  Hinweis: Es gibt wissenschaftl. Bibliotheken, welche diesen Bericht nicht unter "Reuter" in das alphabet. Namensregister aufgenommen haben; man findet ihn dort unter "Vom Turm geschaut" im alphabet. Titelregister.

Anlaß dazu gab dem Autor die Frage, auf welche Weise Graf Dedo V. von Groitzsch Treue- bzw. Dienstverhältnisse geschaffen hat, um an seiner Statt sein Herrschaftsgebiet verwalten zu lassen. Eine Urkunde aus dem Jahre 1279 wurde zum Schlüssel für dieses Verhalten Dedos. Denn sie bot ein Ergebnis, das nicht erwarten werden konnte. Allerdings wurde dies erst durch ihre augenscheinliche Betrachtung offenkundig. Denn in diese Pergamenturkunde des Jahres 1279 übernimmt Burggraf Albrecht III. von Altenburg 6 Urkunden der Jahre 1168 bis 1247 in einem Guß. Das belegt außerdem zur Genüge, daß die Burggrafen von Altenburg vollkommen über das Geschehen der Vergangenheit informiert waren. Sie waren darin
eingebunden und konnten sich deshalb auch als Nachfolger Dedos, des Klostergründers von Zschillen (Wechselburg) ansehen.

Reuter's Darstellung geht nicht nur auf Dedos Landesherrschaft ein, sondern auch auf seine königlich-kaiserliche Vertretung in der Affäre um das Schisma (eines Zustandes mit Gegenpäpsten) im Sommer 1177, in der Dedo dreimal an seiner, des Kaisers Statt den Schwur für den Landfrieden öffentlich ausspricht, neben anderen Magnaten des Reichs. Zwar kam Dedos Einsatz durch Empfehlung des Erzbischofs Wichmann von Magdeburg, Dedos Vetter zustande, setzte aber ein sehr enges Vertrauensverhältnis zwischen Barbarossa und Dedo voraus, Männer im gleichen Lebensalter und wohl auch von ähnlicher Gesinnung. Damit hatte Dedo einen wesentlichen Anteil an der Beseitigung des Streites zwischen Papst und Kaiser
geleistet.

Seit dem Jahr 1096 wurde von Graf Wiprecht II. von Groitzsch die Landnahme weiter nach Südosten getragen, auch in das Land, das schon damals als Gau Rochlitz benannt war, und das ab 1156 durch Erbfall an Graf Dedo V. von Wettin gelangte, dann auch Gaugraf von Rochlitz genannt. Hier baute Wiprecht II. sein Imperium auf und bereitete damit für Dedo V. den Boden, einen Marktort westlich von Rochlitz zu gründen. Reuter beschreibt nicht nur Wiprechts Besiedlung des Landes, sondern auch die unterschiedlichen Siedlungsformen seiner Kolonisierung; sie schließt eine Burggründung und eine Kaufmannssiedlung ein, die zum Beginn der Besiedlung des Höhenrückens führte, dem Kern der späteren Stadt Geithain. Vorher bestimmten noch die Kinder des Grafen Wiprecht II., Heinrich und Bertha, die Zeit bis 1156 mit ihrer Verwaltung und Förderung des Landes.

 

Abdruck des Siegels von 1174 des Grafen Dedo von Groitzsch mit Lanze in der rechten und Schild in der linken Hand, mit Schwert gegürtet.Inhaltsübersicht (gekürzt):

Teil 1:  Herkommen und Herrschaft der Wiprechtiner 

1. Die Wiprechtiner: ihre Herkunft 

2. Wiprecht II.: Landesausbau mit Christianisierung 

3. Maßstäbe des Landesausbaus 

4. Wiprecht - ein Reichsfürst (1117-1124) 

5. Wiprecht's Erben 

Teil 2: Landesausbau  1124 bis 1143 in der Region Geithain, Bedeutung der neuen Gemarkungen um Geithain

Teil 3: Burgen- u. Straßenbau, Märkte mit Zollstellen 

Teil 4: Herrschaft des Grafen Dedo V.

1. Übergangszeit 

2. Politische Aktivität des Grafen Dedo für das Deutsche Reich  

3. Landesausbau ringsum und Errichtung eines Marktortes 

4. Landesausbau mit Geldwirtschaft 

5. Geistliche Aktivität des Grafen Dedo 

6. Dienstmannen mit Lehnsbesitz auf der Geithainer Gemarkung 

(A) Ermittlung des fremden Lehnsbesitzes

(B) Lehnsmannen der Altenburger Burggrafen 

(C) Dienstmannen des Grafen Dedo aus anderer Herkunft.