Evangelisch-Lutherisches

Kirchspiel Geithainer Land


Geithainer Urkundenbuch

Herr Dr. Wolfgang Reuter hat als Ergebnis seiner Forschungen ein weiteres Buch veröffentlicht.

Es enthält 272 Urkunden, meist ungekürzt, und von weiteren 89 Urkunden kurze Zusammenfassungen, welche unsere Kentnnis der Stadt- und Landesgeschichte erweiteren. Es hat einen Umfang von 354 Seiten und ist als eBook veröffentlicht worden.

Dieses Urkundenbuch wendet sich an den interessierten Laien und den Fachmann der Landesgeschichte Sachsens gleichermaßen.

Im Vorwort schreibt der Autor: "Dieses Buch verdankt sein Entstehen zwei Gründen. Zunächst ist es die Absicht, die an versteckter Stelle befindlichen Urkunden- und Aktenabschriften des historischen Pfarrarchivs St.Nikolai der Fachwelt zugänglich zu machen.

Außerdem möge diese Urkundensammlung dazu beitragen, die überregionale Bedeutung der Stadt Geithain weiter aufzuhellen und ihren Platz in der Landesgeschichte zu festigen."

Urkundenbuch

 

Kirchliches Gemeindeleben

An einigen Beispielen läßt sich die Bedeutung der gesammelten Urkunden deutlich machen. Geithain hat eine zeitlang 4 Kirchen unterschiedlicher Größe und Bedeutung besessen. 1209 wurde die St.Jakobs-Kapelle errichtet, und 1257 die Weihe der Katharinenkirche vollzogen. Es ist nicht überliefert, warum die Bürger mit der St.Nikolaikirche unzufrieden waren. Und die Fachwelt hat diesen Vorgang in das Jahr 1357 verlegt. Doch schon 1266 stattete der Landesherr, Markgraf Heinrich der Erlauchte, diese Geithainer Marktkirche finanziell aus. Sie hatte also beim Landesherrn inzwischen Anerkennung gefunden. Letztere Urkunde wurde bereits 1726 veröffentlicht, doch wird bis heute leider an der falschen zeitlichen Zuordnung festgehalten. Nun kann im Geithainer Urkundenbuch jederman beide Urkunden lesen und sich von der alten Existenz und Bedeutung dieser Marktkirche überzeugen.

 

Das Geithainer Stadtgericht

Auch die Stadt Geithain hat über Generationen hinweg ein sog. Stadtbuch geführt, in das der Stadtschreiber die wichtigsten Beschlüsse des Rates der Stadt eingetragen hat. Wir stellen mit Erstaunen fest, daß Mord und Totschlag äußerst selten vorkamen. Und die beiden Straftäter, die jeder einen Mitbürger im Streit getötet hatten, wurden nicht mit Leibesstrafen, sondern mit Geldstrafen geahndet. Der weithin sichtbare Galgen, der für lange Zeit, nämlich bis 1618, auf dem Hügel über dem heutigen Einkaufszentrum an der Frankenhainer Straße gestanden hat, hatte also vornehmlich eine Bedeutung als Warnung an den Wanderer. Um so mehr ist es zu bedauern, daß dieses Stadtbuch inzwischen der Zeit zum Opfer gefallen ist. Doch sind früher Abschriften von zahlreichen Einträgen vorgenommen worden, welche im Geithainer Urkundenbuch nachgelesen werden können. Es lohnt es sich, Einblick zu nehmen in die Stiftungen frommer Frauen oder von Eheleuten für deren Heil nach dem Tode. Auch das ist ein Stück Stadtgeschichte.

 

Der Lehnseid mußte immer wieder erneuert werden

Immer wieder mußten die Bürger der Stadt dem neuen Landesherrn huldigen, wenn er nach dem Tode seines Vaters die Herrschaft übernommen hatte. Die Einwohner erschienen auf dem Marktplatz, Bürgermeister und Ratsherren fanden sich im Rathaus ein, um vor dem Markgrafen (oder dessen Stellvertreter) niederzuknien und die Eidesformel zu sprechen, die für die Jahre 1403 und 1520 schriftlich überliefert ist. Diese Verpflichtung aus dem feudalen Ständerecht galt für jedermann,

ob er nun Bürger oder Adliger war, sogar für den Landesfürsten selbst, denn er hatte im Hl. Röm Reich den Kaiser als seinen obersten Lehnsherrn anzuerkennen. Dieser Vorgang ist für das Jahr 1486 schriftlich bezeugt, als die sächsischen Herzogenbrüder Ernst und Albrecht vor dem Kaiser Friedrich III. in Frankfurt am Main niederknieten und schwuren, Leib und Leben für ihn und das Reich einzusetzen, als Voraussetzung dafür, die sog. Reichs-Fahnenlehen, nämlich die Mark Meißen und das Land Thüringen mit anderen Landschaften vom Kaiser übertragen zu erhalten.

Vielfältig erfährt der Leser Sachverhalte und Ereignisse aus der Zeit von 1197 bis zur Wende um 1539, als die Reformation in Geithain eingeführt wurde und damit eine neue Zeit begann. Stadt- und Landesgeschichte werden beim Lesen lebendig durch die originalen Zeugnisse der Vergangenheit.