Evangelisch-Lutherisches

Kirchspiel Geithainer Land


Die Wand- und Deckenmalerei des Michael Schmiedel

Ralf Niemann in der KalandstubeEin wahres Kleinod in Sachsen: Die Wand- und Deckenmalerei des Michael Schmiedel im Wohnturm auf dem Pfarrhof in Geithain

Hier stellen wir Michael Schmiedel vor, den überragenden Kunstmaler aus Geithain mit seinen bekannten Wand- und Deckenmalereien im Stile der sächsischen Renaissance.

Er wurde zwischen 1535 und 1539 hier geboren. Über seine Herkunft ist uns nichts bekannt, ebenso wenig über seine Ausbildung.

Für die Stadt Geithain war er hauptsächlich als Stubenmaler im Rathaus, aber auch als Schriftenmaler für öffentliche Hinweistafeln tätig; auch ist er als Hersteller von Drechslerarbeiten bekannt geworden. Von der Rochlitzer Schloßverwaltung wurde er ebenfalls für Handwerksarbeiten bezahlt (seit 1562), ohne dass wir über seine Arbeit näheres erfahren.

Schmiedel hat auch private Aufträge als Kunstmaler ausgeführt, meist Epitaphien, nämlich Totengedenktafeln aus Holz, welche im Kircheninnern aufgestellt wurden. Darunter befindet sich das aufwendige und beeindruckende Gemälde des verstorbenen Bürgermeisters Honkirch, Tuchmacher, aus dem Jahre 1587, welches noch heute auf der Rückseite des Hochaltars von St. Nikolai zu bewundern ist.

Noch 1910 konnte man in Geithain Schmiedels Ölgemälde auf Holz bewundern, darunter Christus in Gethsemane, Himmelfahrt des Elias und eine Auferweckung der Toten. Letzteres stellte ein kleines Epitaph dar, welches Brosius Rebener für seine verstorbene Ehefrau samt Kindern anfertigen ließ.

Schmiedels großes und bleibendes Werk aber sind die menschlichen Figuren, oft zweidrittel lebensgroß, die er im Obergeschoss des Wohnturmes auf dem Pfarrhof gemalt hat. Versammelt sind dort Ereignisse aus dem Alten Testament in Schrift und Bild sowie Geschehnisse aus dem Klassischen Altertum.

Bis heute ist uns unbekannt, warum dieses Panorama an den Wänden und an der Zimmerdecke von ihm geschaffen worden ist und zu welchem Zweck – wem hat es gedient? Nur aus seinem Widmungstext erfahren wir einige Tatsachen: „Im Jahre nach der Geburt des Herrn Christus 1561, im Monat August, ist das Werk mit Bildern und Bildnissen mit Ehrgeiz und Fleiß [begonnen und] von mir, Michael Schmidel, Bürger in Geithain, dem Pfarrer [und] Bruder Magister Nikolaus Seidel verehrt worden. 1562“.

Der umfassend gebildete Stadtpfarrer Seidel, hier seit 1559, später Superintendent der Herrschaft Schönburg in Glauchau-Waldenburg, hat vermutlich Schmiedel zur Ausführung angeregt, hat ihm die Bild- und Text-Vorlagen sowohl der zeitgenössischen Herrscher als auch der Antike beschafft und für die Finanzierung gesorgt. Reiche Geithainer Bürger haben dazu beigetragen, dass dieser Wohnturm im Obergeschoss gänzlich rekonstruiert und mit einem neuem Dachstuhl samt Schieferdach versehen wurde. Einer dieser Ratsherren von 1552 bis 1568 war Hans Rothemund, dessen Name an der Westseite des Giebels prangt. Ebenfalls wurde das Werk von Joachim Honkirch gefördert, wiederholt Bürgermeister unserer Stadt von 1552 bis 1577.

Verstorben ist unser Künstler am 11. Februar 1591 in Geithain.

An den 4 Ausläufern des Gewölbes werden ringsum folgende Figuren namentlich genannt, immer in Dreiergruppen:

Darüber schauen die Köpfe der Erzengel herab.

Die Südwand ist mit biblischen Texten sowie mit 2 gewappneten Kriegern geziert. Der links stehende, helmlos, könnte Kaiser Karl V. darstellen, während die rechte Figur Herzog Georg ähnlich sieht.

Herzog Georg und Schmiedels Gestalt:

Herzog Georg - Kupferstich           Ritter an der Südwand in der "Kalandstube"

Schmiedels Ritter alias Herzog Georg zu Sachsen, Alters-Gemälde des Herzog Georg († vor 1539, der Doppelbart ist unverkennbar, als Kupferstich verbreitet, fehlt hier) auch die Augen-Richtung ist wie in der Vorlage 

 

Auch werden 4 Selbstmörderinnen gezeigt:

beide töteten sich aus politischen Gründen.

An der nördlichen Wand oben befindet sich ein langer, philosophischer Text über das richtige Verständnis von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Menschen.

Irrtümlicher Weise wird seit einiger Zeit das Obergeschoss dieses Turm-Wohnhauses auf dem Pfarrhof aus dem 15. Jahrhundert als Kalandstube bezeichnet. Aus den umfangreichen Akten des Pfarrarchivs St. Nikolai geht definitiv hervor, dass das Haus der Kaland-Bruderschaft am Katharinenplatz gestanden hat, dass es zeitgenössisch keine Kalandstube gegeben hat, dass der Altar der Kalandbrüder der Kreuz-Christi (Corpus Christi-)Altar in der St. Nikolaikirche war und dass in der Ausführung der Reformation im Jahre 1540 die hiesige Kalandbruderschaft (wie die anderen Bruderschaften auch) aufgelöst, ihr Vermögen eingezogen und in die Geistliche Vorsteherei überführt wurde.

 

Kaiser Karl V. und Schmiedels Gestaltung

Schmiedels helmloser Ritter mit Kopfhalterung     Tizians Karl V.

(links) Schmiedels helmloser Ritter mit Kopfhaltung, (rechts) wie Tizians Karl V. mit Hund, Barttracht und Fußhaltung; ein Gemälde aus dem Jahr 1533
 
Schmiedels Dido ohne Vorlage:

Selbstmörderin Dido mit dem Giftbecher in der Hand

Schmiedels Darstellung der Dido, Prinzessin-Witwe aus Tyros, mit dem Giftbecher in der Hand

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Die wissenschaftliche Grundlegung der vorstehend beschriebenen Sachverhalte

erschien in der Zeitschrift des Geithainer Heimatvereins "Vom Turm geschaut"Nr. 13 / 2012, Seite 14 - 19.