Evangelisch-Lutherisches

Kirchspiel Geithainer Land


Veröffentlichungen von Dr. Wolfgang Reuter zur Stadt- und Kirchengeschichte

Kirchenführer über die beiden Kirchen GeithainsHier finden Sie ein paar Tipps zu Veröffentlichungen zu Stadt- und Kirchengeschichte Geithains von unserem Gemeindeglied Dr. Wolfgang Reuter, Geithain:

Dr. Wolfgang Reuter ist Philologe und Historiker. Seit 1997 beschäftigt sich Wolfgang Reuter mit der Geschichte der Stadt Geithain, auch deren Kirchengeschichte.
Reuter war auch maßgeblich beteiligt am Zustandekommen des Geithainer Kirchenführers „Geithains Kirchen“, verfaßt von Peter Findeisen, Professor Dr.phil. habil., Halle a.d.S.

Mittlerweile ist ihm der Inhalt der Akten des Stadt- und des Pfarrarchivs einschließlich der Kirchenbücher bekannt.
Die Ergebnisse seiner Forschungen sind in verschiedenen Veröffentlichungen den Interessenten vorgelegt worden. Auch an dieser Stelle werden sie dem Web-Nutzer zur Information angeboten.

Wie schon bisher ist Wolfgang Reuter bereit, auf sachliche Anfragen von Stadtchronisten, Heimatforschern oder Genealogen zu antworten, soweit es sich um einen einzelnen Vorgang handelt. Genealogische Forschungen unterstützt er nur dann, wenn sie die Stadtgeschichte Geithains fördern. Schreiben Sie ihm eine Mail.

Kontakt: mailto:dedo-reuter-githan@gmx.de

 

Streifzüge durch die Geithainer Region und ihre Geschichte Heft 15-2016Vom Turm geschaut - Streifzüge durch die Geithainer Region und ihre Geschichte - Heft 15 / 2016

Ein neues Büchlein ist im März 2016 erschienen.

Zur Ergänzung und zur Vervollständigung seiner Studien zur Stadtgeschichte Geithains und zur Geschichte der Region West-Sachsens im Hochmittelalter legt Herr Dr. phil. Wolfgang Reuter erneut eine Veröffentlichung vor; sie ist am 18. März 2016 erschienen.

Hier finden Sie weitere Informationen.

Vielen, vielen Dank an Dr. Wolfgang Reuter und Herzlichen Glückwunsch zum 85. Geburtstag!

 

 

Chronik der Stadt Geithain -Teil 1: Von den Anfängen bis 1634

von Wolfgang Reuter

Mit Personenverzeichnis und umfangreichen Quellennachweis, 144 Seiten, mit 15 ganzseitigen Abbildungen, Dedo-Verlag Geithain 2001, LPr 10,20 €, ISBN 3-00-008522-X
 

Chronik Titel 1

Überblick über den Inhalt:

Das Buch ist ein Bericht über geschichtliche Ereignisse in der Reihenfolge ihres Geschehens. Es weist von 1499 bis 1634 lückenlos für jedes Jahr das Geschehen nach und für 1294 bis 1495 fast jedes Jahr mit wenigen Lücken. Begonnen wird mit der Gründung der Dörfer zwischen Mulde und Wyhra 1104 durch Graf Wiprecht II von
Groitzsch nach der Pegauer Chronik. Sämtliche Ereignisse werden aufgrund von Urkunden, Akten, Chroniken oder Kirchenbüchern mitgeteilt, aus der Wirtschafts- und Sozialgeschichte einer Stadt, die sich lange Zeit neben Rochlitz an Bedeutung entwickelt hat. Erstmalig werden damit auch Einzelheiten aus der Stadtgeschichte dem Leser ausgebreitet, die bisher unbekannt geblieben sind.

Zum besseren Verständnis werden die Ereignisse in den größeren Zusammenhang der Landesgeschichte gestellt, wodurch das Verhalten der Menschen nachvollziehbar wird. Überhaupt prägt das Geschehen im Ort den gesamten Text, der damit die Vergangenheit lebendig macht. So wird die Stadtgeschichte wachgehalten. 

Ob es die Berufe der Standesherrn waren, die Kalkherren, oder die zumeist wenig begüterten Leineweber, sie sind sämtlich beschrieben, ebenso wie die vielfältigen Entscheidungen des Rates der Stadt zum Wohle der Bürger oder zugunsten des Landesherrn. Daß die Freizeit mit Volksfesten begangen oder das Leben von Hungersnot geprägt war, findet der Leser vielfältig. Und wer nicht Seite für Seite den Text lesen will, suche im anhängenden Sachregister die ihn interessierenden Begriffe und und lese die dazu gehörigen Texte. Jeder Leser wird bald merken, daß es lohnenswert und spannend ist, in der „Chronik der Stadt Geithain“ die Vergangenheit lebendig werden zu lassen. 

Versand durch Buchhandlung Schumann, 04643 Geithain, Leipziger Str. 12. Das Porto trägt der Besteller.
Bestellung auch per eMail: mailto: buchhandel-geithain@gmx.de

Hier können Sie das Sachregister zum Band 1 der Chronik der Stadt Geithain (1104-1634) downloaden.

Anmerkung: Es gibt wohl kaum ein Buch ohne „Dreckfehler“, wie die Leute der Polygraphie es nannten. Hier die Errata in Chronik Band I: S. 5, 4. Z.v.unten lies:  Tod von Wiprecht III., Wiprechts II. erster Sohn; S. 8, 5. Z.v. oben lies:  Filiale des Klosters Pegau; S. 11, 11. Z.v.oben lies:  Bischofs Eberhard aus diesem Jahr; S. 40, 5. Z. v.unten lies:  Im Januar 1403 beschwören; S. 47, 11. Z. u.15. Z. v.oben ändere die Jahreszahlen in „Oktober 1495“ und in „Herbst 1496“; S. 53, 8. Z.v.oben lies:  dem Hl. Kreuz geweiht S. 96, 15. u. 16. Z.v.oben lies: Hintergasse (heutige Katharinenstraße) und Vordergasse (heutige Chemnitzer Straße); S. 105, 24. Z.v.oben lies: an der Nordseite des Rathauses; S. 115, 2. Z. v.oben lies: der Schützengesellschaft findet.

 

Chronik Titel 2

Chronik der Stadt Geithain - Teil 2: Von 1635 bis zur Inflation 1923

von Wolfgang Reuter.

Mit Nachweis der Geldsysteme in Sachsen vom 17. bis 19. Jahrhundert, mit einem Personenverzeichnis und dem umfangreichen Quellennachweis zu jedem Chronikjahr,

144 Seiten mit 11 Abbildungen, Dedo-Verlag Geithain 2004, LPr 10,50 €,

ISBN 3-00-008522-X

Überblick über den Inhalt:

Das Buch schließt an Teil 1 lückenlos an und setzt bis zur verhängnisvollen ersten Währungsreform des 20. Jahrhunderts die Chronik der Stadt Geithain fort. Damit wird die Stadtgeschichte von fast dreihundert Jahren aufgedeckt und vor dem Leser ausgebreitet. Die Einrichtung und Darstellung dieses zweiten Zeil folgt den Absichten des ersten Teils, wie sie dort beschrieben werden. Es gibt nun in diesem zweiten Teil auch Verweise auf Ereignisse in Jahren, die im ersten Teil der Chronik beschrieben werden. Dies erscheint nützlich, wie es folgendes Beispiel zeigt:

Erfahren wir im 2. Teil zu den Jahren 1878 oder 2001 Einzelheiten zum Umbau des Rathauses, dann wollen wir auch über die Glocke im Rathausturm etwas wissen, die 1570 zum ersten Male geläutet hat.

Immer wieder werden Einzelheiten zu Preisen und Löhnen mitgeteilt. Wegen der wiederholten Änderungen der Währung in dieser Berichtszeit ist der Überblick über deren Geldsysteme nützlich, am Ende des Buches zu finden. Schließlich gilt auch für Teil 2 der Chronik der Stadt Geithain: das hier anhängende Sachregister zum Band 2 der Chronik der Stadt Geithain (1635-1923) bietet dem Leser die Möglichkeit, interessierende Begriffe zu ermitteln und die dazu nachgewiesenen Texte zu lesen.

So wird auch mit diesem zweiten Teil die Vergangenheit lebendig, wer sich die Zeit dafür nimmt, entweder im Buch zu blättern oder sich darin zu vertiefen. Vom Ablaßgut bis Zuchthaus werden rd. 570 Ereignisse beschrieben, eine Fülle von Vorkommnisses, die jedem etwas bieten, die Stadtgeschichte näher kennenzulernen.

Das Buch endet mit einem epochalen Einschnitt, der Inflation und markiert einen zeitlichen Abstand zum Lebensalter zahlreicher Geithainer während des Entstehens dieser Chronik. Was seit 1923 in Geithain geschehen ist, ist vielen Einwohnern noch selbst in guter Erinnerung. Die Chronik der Stadt Geithain von 1924 bis 2000 wird deshalb eine Gemeinschaftsarbeit Geithainer Bürger unter Leitung des Geithainer Heimatvereins e.V. darstellen. Wer seine Erinnerungen oder Akten bzw. Fotos zur Verfügung stellen möchte, wende sich an den Heimatverein.

Bestellt werden kann das Werk z.B. über die Buchhandlung Schumann, 04643 Geithain, Leipziger Str. 12. Das Porto trägt der Besteller. Bestellung auch per eMail: mailto: buchhandel-geithain@gmx.de

 

SiedlungsgeschichteZur Stadtgeschichte Geithains im Hochmittelalter

von Wolfgang Reuter.

Erschienen im Jahrbuch Leipziger Land (2) 2001 im Sax-Verlag, Beucha, mit dem Titel:

Zur Kirchen- und Siedlungsgeschichte des Leipziger Raumes,

 

S. 125-152, mit einem Kartenanhang.

Herausgegeben von Lutz Heydick, Uwe Schirmer und Markus Cotttin.

Überblick über den Inhalt:

Zur Vorgeschichte der Stadt Geithain – Slawische Besiedlung der Region Geithain, Straßenkreuz bei Altdorf vor Geithain, Nikolaipatrozinium, Castrum (Burg und Freihof), Wirtschaftshof mit Marienkirche.

Zur Frühgeschichte der Stadt Geithain – Deutsche Ostkolonisation in der Region Geithain, Auswertung der Flurkarten und der Flurbücher, Geithains Stadtentstehung.

Nach 1104 legte Graf Wiprecht II. von Groitzsch auf der Flur „Neue Mark“, später Neumarkt genannt, eine Wehranlage mit Wirtschaftshof an, um nach Südosten hin sein Territorium abzusichern. Im Gebiet des heutigen Altdorf westlich vor Geithain ließen sich bald darauf einige Kaufleute nieder, die eine dem Hl. Nikolaus geweihte Holzkirche errichteten.

Als Dedo V. Graf von Groitzsch-Rochlitz um 1173 begann, die romanische Basilika auf dem Bergsporn bauen zu lassen, war von ihm der Marktort bereits geplant und in Ausführung befindlich: Geithain.

Dieser Beitrag ist ein erster Versuch, die Entstehung der Stadt Geithain aufzuhellen. Er basiert auf der Auswertung vieler Quellen,
in 161 Anmerkungen nachgewiesen.  

Bibliotheksnachweis (Jahrbuch dort ausleihbar oder einsehbar):
Deutsche Nationalbibliothek Leipzig, Sign. Z 1999 A 16; Universitätsbibliothek Leipzig: NZ14370 H615-2; UB Dresden: 75.8.8902;
UB Jena: HIS:UM900:J962-K:2001.

Fragestellungen und Schlüsse aus den aufbereiteten Quellen zur hochmittelalterlichen Stadtgeschichte

Zitat S.148: „Daraus folgt, daß Geithain 1186 als Marktgemeinde bereits existiert hat, ohne schon eine Stadtverfassung zu haben. Als aber 1209 Konrad, Sohn Dedos V., Graf von Groitzsch-Rochlitz und Markgraf der Niederlausitz, diesen Ort mit einem Hospital dotiert, urkundlich dem ersten markgräflichen in der Mark Meißen überhaupt, dann ist Geithain auch zu dieser Zeit kein Dorf gewesen, sondern ein Markt- und Gewerbeort mit regionaler Bedeutung. Und die Bezeichnung „civitas“ (vielleicht anstelle von richtiger: „oppidum“) in der Urkunde erscheint gerechtfertigt.

So bleiben mangels Quellen zwei  Fragen unbeantwortet: (1) was hat Graf Dedo von Groitzsch-Rochlitz veranlaßt, 8km westlich von Rochlitz und 12 km südwestlich von Colditz eine weitere „Stadt“ zu gründen, und (2) was hat die Markgrafen von Meißen seit 1210 bewogen, dieser Stadt weit weniger Zuwendung zu schenken als anderen meißnischen Städten?“

Wegkreuz Geithain Altdorf

Wegekreuzung westlich vor Geithain mit der Ortslage Altdorf um 1130

(Sächsisches Meilenblatt um 1790, B105 Berliner Ausgabe, Ausschnitt)

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 Die Bedeutung des Stadtnamens Geithain - Chiten

Jahre liegen zurück, daß mit der Wende der Anspruch des Marxismus im Wissenschaftsbereich auf dem Gebiet der ehemaligen DDR nicht mehr durchsetzbar war: das Große Brudervolk hatte keine Gewalt mehr über Ostdeutschland. Trotzdem wird noch heute unkritisch die von Heinz Reich in seiner Chronik veröffentlichte Behauptung fortgeführt, der Name Chiten bedeute Häschersheim. Er konnte dies in der Broschüre „Geithain 1186-1986“ unter der Herausgeberschaft des Rates der Stadt Geithain veröffentlichen. Die vorliegenden wissenschaftlichen Ergebnisse der Untersuchung dieser altsorbischen Bezeichnung belegen das nicht. Deshalb folgt hier ein wissenschaftlich-methodischer Bericht zu dieser Frage.

 

 1. Wo siedelten die Sorben im heutigen West-Sachsen ?

Nach dem derzeitigen Stand der historischen und archäologischen Forschung gilt für West-Sachsen für diese Zeit der Landnahme (ab ca. 1100): Die Slawen siedelten an kleineren Fließgewässern, nicht direkt an stark strömenden Flüssen wie an der Zwickauer Mulde. Nachgewiesen sind ihre Siedlungen im Dölitzsch- und Köttwitzschtal, bei Noßwitz, an der Eula und an Quellwässern der Wyhra, so in Ossa und Syhra, um nur einige Beispiele im Umkreis von Geithain zu nennen. Es sind eben keine Siedlungen auf einer Anhöhe oder auf einem Geländerücken. Die Archäologen haben hier slawische Burgen ergraben, die auf aufgeschüttetem Erdreich errichtet worden waren. Sie wurden auf ebenem Gelände gebaut.

Die Menschen suchten die kleineren Fließgewässer, um mit ihren verfügbaren Mitteln dem Fischfang nachzugehen, ähnlich wie sie in den Wäldern Bienenhonig sammelten, ergänzend zu ihrer Viehzucht. Ihre Siedlungen waren klein und umfaßten wenige Familien. Vermutlich wohnten selten mehr als fünfzig Menschen an einem Ort.

Die Annahme, auf dem (Geithainer) Höhenrücken hätte Graf Dedo eine slawische Siedlung vorgefunden, womit eine Kontinuität der Besiedlung nachgewiesen wäre, ist unbegründet. Auf dem Höhenrücken gab es kein Wasser. Auch hat das Areal einen Umfang von 11 ha, eine unzutreffende Größe für eine altsorbische Siedlung. Es gibt keine Blockfluren hier und in der näheren Umgebung.

 

2. Welche altsorbischen Bezeichnungen sind überliefert ?

In unserem Gebiet sind fast ausschließlich Benennungen zu finden, die topographisch-räumliche Gegebenheiten altsorbischer Gewässer-, Flur und Geländenamen darstellen. So wird z.B. aufgrund der schriftlichen Überlieferung des alten Namens „Syrowe“ für heute Syhra auf die altsorbische Bedeutung „Waldweide“ geschlossen, woraus gefolgert wird: Siedlung an der Waldweide (wegen Eichelmast).

Diese slawischen Gewässer-, Gelände- und Siedlungsbezeichnungen sind vielfältig von den ankommenden Deutschen übernommen worden, die sich die Landeskenntnis der ansässigen Slawen zu eigen machten. Zum besseren Verständnis untereinander behielten sie oft die üblich gewordenen slawischen Namen bei.     Slawische Personennamen werden in den überlieferten schriftlichen Quellen dieser Zeit des 12. Jahrhunderts „nur gering überliefert“, wie der Slawist Hans Walther als Ergebnis seiner Forschungen feststellt. Dasselbe erkennt Ernst Eichler, wenn er im Hinblick auf überlieferte slawische Personennamen feststellt, daß sie nur „schwach bezeugt“ sind. Im übrigen weisen ältere altsorbische Wörterbücher keine personenbezogenen Wortstämme „chit“, „čyt“ oder „khit“ aus. Die Annahme, der sorbische Ortsname „chiten“ rühre von dem Personennamen eines slawischen Herrschaftsträgers her, ist deshalb unbegründet.    

Insofern ist es plausibel und folgerichtig, für Geithain dieselbe Erkenntnis anzuwenden. An der Stelle, wo wir die kleine Wehranlage mit Marienkirche und Wirtschaftshof, heute Neumarkt (östlich vor der Altstadt) vermuten, waren sicherlich Slawen als Hörige tätig für die Burgbesatzung. Es gab einen mündlichen Austausch zwischen beiden Sprachgruppen. Und von daher ist das verwendete Wort „chiten“ für eine slawische Gewässer- und Geländebezeichnung erst in den mündlichen, dann in den schriftlichen Gebrauch der Deutschen gekommen.

 
 3. Welche Bedeutung hat das Wort „chiten“ ?

Folgen wir den Erkenntnissen der Slawisten, dann wird das altsorbische Wort „chiten“ eine Gewässer- oder Geländebezeichnung enthalten. Als im Jahre 1209 Markgraf Konrad der Ostmark das Hospital vor der Stadt gründete, wurden in dieser Urkunde zwei Naturerscheinungen beschrieben: „der überaus starke Abfluß der Mühle“ (infolge des Eula-Staus) und „die Teiche, welche die Stadt schützen“. Nördlich und südlich des nun besiedelten Höhenrückens befanden sich Sümpfe und stehende Gewässer, durch die Eula und den Beutelbach hervorgerufen. Insofern gab es mindestens diese beiden, in der Urkunde als bedeutend für die Lage der Stadt angesehene Naturerscheinungen, aber wahrscheinlich noch andere. Und für eine dieser Naturzustände wurde „chiten“ verwendet.

Welche Bedeutung dieses altsorbische Wort „chiten“ hat, wissen wir also bis heute nicht. Der einzige archivalische Nachweis von „Chiten“ befindet sich in der Urkunde des Bischofs Eberhard aus dem Jahre 1186. Der Schreiber in Halle a.d.S. schrieb den Ortsnamen so, wie er ihn gehört hatte; er war ihm fremd, anderen Zeugen von hier war er geläufig. Kurze Zeit später hat sich der Bischof von Merseburg selbst oder der Propst von Zschillen (heute: Wechselburg) in dieser Sache an den Papst gewandt, der 1205 seinerseits Dedo’s Stiftung bestätigt. Jetzt aber wird in dieser Urkunde von Innozenz III. in derselben Sache der Ortsname „Giten“ geschrieben. Dies kann nur auf den Inhalt der Bittschriften der bischöflichen Kanzlei in Merseburg oder der Klosterkanzlei in Zschillen zurückgehen, wie dies in solchen Fällen üblich gewesen ist. Es muß also lautlich einen Grund geben, anlautend G statt CH zu schreiben. Und dabei ist es geblieben, wie dies die o.a. Urkunde von 1209 ausweist: „Githen“ heißt die (noch unselbständige) Stadt. Seither ist Geithain immer nur anlautend mit G geschrieben worden. Später hieß sie Gitan / Geithan, woraus um 1665 Geithayn wurde.

 

4. Folgerungen

Als Graf Dedo V. von Groitzsch-Rochlitz nach 1160 dieses, sein Land zur Besiedlung mit einem Marktort für angemessen hielt, konnte er von der Burgbesatzung des Neumarkts (s.o.) die Bezeichnung „chiten“ („giten“) für dieses Gelände hören, weil es ortsüblich war. So ergibt sich ohne Zwang die Annahme, daß der Marktort Geithain seinen Ortsnamen von einer älteren Gewässer- oder Flurbezeichnung übernommen hat.

Es muß bei dieser Annahme bleiben, denn es gibt gewichtige Gründe, daß „giten“ auch germanischen Ursprungs sein kann. Und es gibt plausible Erklärungen für eine germanische Herkunft dieses Ortsnamens. Selbst Hans Walther ist es nicht gelungen, für einige Bezeichnungen im (ehem.) Kreis Rochlitz die sprachliche Herkunft zu erklären. Und dann gibt es Brakteaten-Münzfunde in der hiesigen Gegend, die noch keiner Münze zugeordnet werden konnten. Möglicherweise kann ein Münzbild dazu beitragen, diese Frage klären zu helfen.

Anmerkung: Literaturangaben siehe unter Wolfgang Reuter: Zur Stadtgeschichte Geithains im Hochmittelalter; oben vorgestellt; S. 11-13 u. 140.

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Dr.phil. Wolfgang Reuter hat als Historiker der Sozialgeschichte auch das 19. Jahrhundert bearbeitet. Er widmete seine Studien Persönlichkeiten wie Hermann Schulze-Delitzsch, der die Gründung von Arbeiterkrankenkassen durchgesetzt hat, lange bevor Reichsgesetze die Sozialversicherung regelten, oder Friedrich List, der in den USA lebend die Errichtung von Eisenbahnstrecken veranlaßte und später in Leipzig den Denkanstoß zur Verwirklichung der Leipzig-Dresdner-Eisenbahn-Gesellschaft gab, neben anderen historisch bedeutsamen Personen.

Für West-Sachsen aufschlußreich und interessant ist auch seine Veröffentlichung über die Buchhandelsgeschichte Leipzig um 1900. Der Verleger Felix Dietrich veröffentlichte Bildungsschriften für die Arbeiterklasse.
Lesen Sie weiter mittels Klick auf diesen Hinweis.

 

Die soziale TatDie soziale Tat des Verlegers Felix Dietrich

Ein Beitrag zur Buchgeschichte Leipzigs um 1900

von Wolfgang Reuter
119 Seiten mit 7 Abbildungen und zahlreichen Tabellen, Taurus-Verlag Leipzig,
LPr 12,00 €, ISBN 3-9807753-5-6
 

Überblick über den Inhalt:

Die Überzeugung des Verlegers Felix Dietrich, sich für den sog. Vierten Stand, also für die Arbeiter und die Arbeiterinnen einzusetzen, entwickelte sich während seines Aufenthaltes in Paris und London von 1893-1897. Sieben Jahre später begann er die Veröffentlichung von Informationsschriften zur Volkswirtschaft und Sozial-
politik mit der Absicht, jedem „die beste Aufklärung“ zu geben. Man könne dem Arbeiter am besten helfen, daß man ihn befähige, sich selbst zu helfen, dh. das Bildungsbedürfnis des Arbeiters zu fördern.

Damit erreicht das Buch auch in der Region Leipzig die Stadt Geithain, denn im Jahre 1897 versuchte hiesiger Bürgersinn Arbeitsplätze zu erhalten wegen des Konkurses der Stuhlfabrik. Dietrich veröffentlichte bis 1914 allein zum Arbeitsschutz für Frauen und Kinder 25 Broschüren und zum Koalitionsrecht der Arbeiterbewegung, vornehmlich dem Streikrecht, 38 Titel, und viele weitere Bändchen zu anderen sozialpolitischen Schwerpunkten. Wichtig sind die Ausführungen zur Schulbildung und das Leseverhalten um 1900, die für Sachsen, z.T. für das Deutsche Reich beschrieben werden. Ebenso deutlich werden die Lebenshaltungskosten für Arbeiter, einschl. Mietzins, auf Sachsen bezogen, also auch auf die Stadt Geithain übertragbar,  als sich hier endlich auch die Industrialisierung durchsetzte (1902: 479 Beschäftigte in Industrie und Handwerk, davon 202 weibliche).

Ein Versand durch die Buchhandlung Schumann, 04643 Geithain, Leipziger Str. 12 ist möglich. Das Porto trägt der Besteller.
eMail-Bestellung ist möglich: mailto: buchhandlung-geithain@gmx.de 

Inhaltsverzeichnis

Das Inhaltsverzeichnis gibt Einblick in die Vielfalt der Sachverhalte, die beschrieben werden. Es lohnt sich, diese Themenvielfalt anzusehen. Nutzen Sie hier die Möglichkeit zum Download:

INHALTSVERZEICHNIS  zum Verleger Felix Dietrich                                                       

Vorwort
1.   Die Schriftenreihe „Kultur und Fortschritt“ * 1.1.Die Überzeugung des Verlegers *
     1.2. Die Autoren: (1.Einleitung, 2.die weiblichen Autoren, 3.die männlichen Autoren) *
     1.3. Die Themen der Schriftenreihe: 1.Themenvielfalt,2.-bereiche,3.-gliederung,4. -ver-
     teilung) * 1.4. Andere Schriftenreihen zum Thema „Sozialer Fortschritt“ (1.Buchhandlung 
     Vorwärts, 2.Otto-Elsner-Verlag,3. Hermann-Dietrich-Verlag)
2.   Der 4. Stand und die Allgemeinbildung * 2.1.Die Schulbildung in Leipzig um 1900
     (1.Einleitung, 2.Volksschulen, 3.Gewerbeschulen) * 2.2.Das Leseverhalten um 1900
     (1.Lesebedürfnis, 2.Arbeiterbibliotheken, 3.Arbeiterinnen) * 2.3. Die sozialen Ver-
     hältnisse um 1900 (1.Buchbinder, 2.Buchdrucker, 3.Buchhändler) *  2.4.Die Lebens-        
     haltungskosten um 1900 (1.Amtliche Statistik, 2.Bildungsausgaben, 3.Wohnkultur, 4.  
     Sozialpolitik)
3.   Die verlegerische Leistung: 3.1. Absatzstrategie für die Schriftenreihe K & F
     (1.Vorbereitung, 2.Käufer und Leser, 3.Gestaltung der Hefte, 4.Ladenpreis,
     5.Titelei, 6.Aufgabe einer Buchreihe, 7.Werbemaßnahmen, 8.Absatzwege) * 3.2.Wirt-
     schaftliche und finanzielle Voraussetzungen der Schriftenreihe (1.Einleitung, 2.
     Grundstück in Leipzig-Süd, 3.Vergleichbarkeit der Zahlen, 4.Wissenschaftlicher Verlag: 
     Absatzmengen, 5. dto: Umsatzerlöse, 6. Schriftenreihe K&F: Kostenermittlung, Umsatz- 
     erlöse, 7.Kostenüberschuß, 8.Bewertung der wirtschaftlichen u. finanziellen Leistungen
     des Verlegers) * 3.3. Ein Verlegerporträt (1. Biographie, 2. der wissenschaftliche
     Verleger)
 

Welchen Weitblick der Verleger Felix Dietrich bei der Auswahl seiner Autoren und Autorinnen gehabt hat, zeigt das anhängende Autorinnen-Verzeichnis dieses Buches. Das waren keine Soufragetten, sondern gebildete Frauen, die sich für das Wohl der Arbeiterinnen politisch eingesetzt haben.

Verzeichnis der Autorinnen (Auszug)

Baum, Maria (23.3. 1874 - Aug. 1964). Frauenrechtlerin, gemeinsam mit Gertrud Bäumer tätig. Anfangs GFn des Verbands für Säuglingsfürsorge, später Leiterin der Sozialen Frauenschule in Hamburg; MdR 1919-1921. Für „K & F“ schrieb sie über die Ausbildung der Industriearbeiterin (Nr. 107, 1907) und über die ungelernte Industriearbeiterin.

Fürth, Henriette (15.8. 1861 - 3.6. 1938). Sozialistenführerin, 1919 bis 1924 Stadtverordnete in Frankfurt am Main, Vorkämpferin der Mutter-schutzbewegung. Schreibt seit 1902 über die soziale Stellung der Frau und über die Fabrikarbeit verheirateter Frauen.

Für „K & F“ schreibt sie zwischen 1906 und 1912 acht Hefte zu diesen Themen. (Heft-Nr. 61/62, 73, 124, 136/37, 179/180, 362/66, 377/78, 421).

Gottheiner, Elisabeth Altmann- (26.3. 1874 - 1930). Dr. rer.oec. Zürich 1902, Fachlehrerin an deutschen Frauenbildungsanstalten, veröffentlicht schon 1903 ihren ersten Titel zur Frauenfrage, schreibt 1904 einen Leitfaden zur praktischen Volkswirtschaftslehre.

Für „K & F“ liefert sie ein Manuskript zum Thema „Gewerbliche Arbeiterinnenfrage“ (Heft-Nr. 56, 1905).

Herzfelder, Henriette (16.4. 1865 - 14.6. 1927). Österreichische Frauenrechtlerin. 1905 bis 1908 Hrsg. Der Zeitschrift der österreich. Frauenvereine, 1911 bis 1918 Redakteurin der Zeitschrift für Frauenstimmrecht.

In „K & F“ erschienen zwischen 1907 und 1914 fünf Hefte mit den Themen: Kinderschutz und Recht des unehelichen Kindes. (Heft-Nr. 92/93, 287/88, 425/28, 453, 514).

Heymann, Lida Gustava (15.3. 1868 - 31.7. 1943). Vertreterin des radikalen Flügels der bürgerlichen Frauenbewegung, seit 1896 Vorstandsmitglied im Allg. Dt. Frauenverein, seit 1901 Vorsitzende des Dt. Vereins für Frauenstimmrecht und politische Gleichstellung der Frau, seit 1914 in der Friedensbewegung.

In „K & F“ schrieb sie 1910 bis 1911 über das Frauenstimm- und Wahlrecht. (Heft-Nr. 322/23, 392).

Ichenhäuser, Eliza (12.5. 1869 - 3.3. 1932). Frauenrechtlerin, sozialpolitisch engagiert, schrieb sie seit 1892 in bedeutenden Zeitschriften und Zeitungen, vor allem zum Thema der politischen Gleichstellung der Frau, und trat auch als Rednerin auf in internationalen Frauenkongressen (1896/ 1904)



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 Grablege des Grafen Dedo V. von Groitzsch-Rochlitz

Grabmahl

 Dedo V. Graf von Wettin, geb. um 1130, gest. 1190, ab 1156 Herr der Grafschaft Groitzsch
und des Allods (Eigenlandes) Rochlitz, seit 1185 Markgraf der Ostmark (Niederlausitz),
rechts im Bild mit Basilika-Modell, verheiratet mit Mechthild Gräfin von Heinsberg;
Grablege im Augustiner-Chorherrenkloster Zschillen (heute: Wechselburg) an der Zwickauer Mulde,
entstanden zwischen 1217 und 1233 auf Veranlassung der  Enkelin Agnes † um 1250, verheiratet mit
Herzog Heinrich V. von Braunschweig † 1217.

Die Skulptur ihrer eigenen Grablege im Kloster Wienhausen mit dem Kirchenmodell in ihrer linken Hand entspricht völlig der Gestaltung der Grablege in Wechselburg lt. Forschungsergebnis der Kerstin Hengeross-Dürkopp: Skulptur und Frauenklöster. Diss.phil. Berlin 1994.

[Agnetem filiam marchionis de Landesberch, in: M.G.H. Dt.Chroniken, Bd. 2, S.551 u.584]
(Foto: O.E.Schmidt u. J.L.Sponsel: Bilder-Atlas zur Sächsischen Geschichte. Leipzig 1909)

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Judenverfolgung in Sachsen auch im Mittelalter

Die Berichte über den Holokaust (όλοκαυστ  alt.-griechisch für Brandopfer) in den Medien führte zur Frage, ob es ähnliche Verfolgungen in unserer Region auch schon früher gegeben hat. Die Durchsicht der Akten, Urkunden und Bilderhandschriften brachte die Antwort zutage, daß es im späten Mittelalter in der Mark Meißen und im Land Thüringen mehrfach Juden-Pogrome (russisch für Verwüstung) gegeben hat, trotz königlicher und landesfürstlicher Privilegien und Schutzvorschriften in Landfriedensordnungen.

Zusammenfassend und übersichtlich läßt sich aufgrund meiner Studien feststellen, daß es zwei Epochen mit mehr oder weniger friedlichen Zeiten gegeben hat, die beide mit Vertreibung oder Vernichtung jüdischer Familien endeten. Ein erster solcher Höhepunkt lag im Jahr 1349.

In den Alt-Zeller (Kloster bei Nossen) Jahrbüchern schreibt der Klosterbruder, daß es 1346 eine große Pestseuche gegeben habe. Derselbe Schreiber trägt für das Jahr 1349 ein: Am Tag nach Gallus (am 15. Februar) sind alle Juden im meißnischen Lande und in Thüringen vernichtet worden. Aus Akten geht im einzelnen hervor: Am 24. Februar wurden die Juden in der Mark Meißen verbrannt, am 7. März gab es in der Stadt Meißen keine Juden mehr.

Vorausgegangen war die Aufforderung des Markgrafen Friedrich II. des Ernsthaften († 18. November 1349) an meißnische und thüringische Städte, die Juden zum Lobe Gottes zu töten (wörtlich: zu „bernen“ dh. zu verbrennen) wegen der großen Bosheit ihrer Brunnenvergiftung. 

Progrom

Verbrennung jüdischer Familien im Jahre 1349, wie es zeitgenössisch um 1353 dargestellt wird

(in: Jahrbücher von Doornik, i.e.Tournai, de G. le Muisit; autorisation Bibliothèque Royale Albert I., Bruxelles)

Anders hatte sich Friedrichs II. Urgroßvater Heinrich der Erlauchte verhalten. Als erster deutscher Territorialfürst erließ er im Jahre 1265 eine Judenordnung für die Mark Meißen, welche die Lebensbedingungen der Juden sehr günstig regelt. Erstmals wird damit den Juden Gewährleistung für ihre Berufsausübung als Pfandleiher eingeräumt. Und diese Judenrechte wurden vom Markgrafen ausdrücklich schriftlich niedergelegt, „damit keine Zweifel über diese Sachverhalte entstehen“. 1330 erließ Kaiser Ludwig der Baier, der Schwiegervater Friedrichs II., ein Judenprivileg für Thüringen, die Mark Meißen und das Osterland.

Nach den Pogromen des Jahres 1349 dauerte es einige Zeit, bis Juden sich in der Mark Meißen wieder niederließen. Dies geschah ab den 60er Jahren nach und nach. Vor Ende des 14. Jahrhunderts entstanden erneut Judengemeinden, vor allem in den großen Städten. Aber auch für Geithain ist eine Familie archivalisch nachgewiesen: 1396 wird der „Juden-Kirchhof“ im Stadtbuch genannt und 1378 weist das Gesamtverzeichnis der Einkünfte der Mark Meißen 75 Gulden Schutzgeldzahlung aus Geithain aus.