Evangelisch-Lutherisches

Kirchspiel Geithainer Land


Die Kirche St. Nikolai in Geithain

Geschichtliche Daten zur Nikolaikirche Geithain

Kirche St. Nikolai Geithain

1168 wird der erste Teil der Basilika des Klosters Zschillen (Wechselburg) geweiht. Nahezu zeitgleich wird auf dem westlichen Teil des Bergsporns von Geithain eine groß-dimensionierte romanische Basilika errichtet (ca. 2/3 so lang wie die Zschillen-Basilika)

1165-1175 evtl. Baubeginn der steinernen Basilika. Sie wird dem heiligen Nikolaus geweiht, dem Schutzpatron der Kaufleute und bekannten Freund der Kinder.

1180-1190 Vollendung des Westwerks(19,92 m Breite, 7 m tief) mit den beiden 42 m hohen, quadratischen Türmen. Rüsthölzer, welche zahlreich im Inneren der Türme zu finden sind, zeugen heute noch von dem Bau eines hölzernen Gerüsts um die Türme herum.

1186 wird die Marienkirche oder Kirche "zu unserer lieben Frauen" oberhalb von "Gyten" urkundlich genannt. Geithain wird das erste Mal schriftlich erwähnt. Die Nikolaikirche fungiert bereits als Pfarrkirche.

1209 erste urkundliche Erwähnung der "Stadt" Geithain anläßlich der Hospitalstiftung St. Jacob an Pfarrer Johannes Marquardus.

1332 erste urkundliche Erwähnung einer Pfarrkirche zu Geithain; 

1340 Bau eines Hochgotischen Chores. Die im Vorraum der Kirche aufgestellte zersprungene Glocke könnte um diese Zeit gegossen worden sein.

1448 drängt eine Verordnung auf Erneuerung des wankenden Giebelbauerwerkes nordwestlich am Chor. Ob etwas hierauf erfolgte, ist nicht überliefert.

Die größte der vier Läuteglocken1470-1475 zu dieser Zeit wird die größte der vier Läuteglocken gegossen, sie trägt den Namen: Marta (man kann aber wohl auch "Maria" lesen)

1474 wird von Heinz Schmelzer das Gestühl an der Nordwand des Altarraumes gestiftet und der Chor verkürzt. Er erhält ein neues Gewölbe.

ca. 1500-1510 beginnen umfangreiche Baumaßnahmen, die erst nach 130 Jahren zum Abschluss kommen werden. Die Arbeiten scheinen am Schiff der Nordwand begonnen zu haben. Gemeinsam mit der nördlichen Umfassung errichtet man im Nordabschnitt die Portalhalle (bzw. Haupteingang).

Nach dem Bau des neuen Schiffes folgt die Südumfassung. Die Umfassungsmauern berühren zunächst den bestehenden Baukörper des romansichen Vorgängers nicht, da sie außerhalb der Seitenschiffe aufgeführt werden.

Im Westen erfolgt bald darauf die Anbindung an die Westtürme. Um Osten baut man die geraden Seitenschiffabschlüsse bis dicht an den Chor heran.

1502 Aus diesem Jahr stammt der Schrank in der sterngewölbten Sakristei, welche als erster Bauabschnitt fertiggestellt wurde.

1504 wird der Grundstein für die jetzige Hallenkirche gelegt. Die dreischiffige spätgotische Halle ist rund 30 m lang, 24 m breit und 14 m hoch. 

1516 wird der Dachstuhl nach Errichtung der Umfassungsmauern aufgebracht. Der Abbruch der alten Kirche wurde fortgesetzt. Das Westwerk erhält ein gotisches Fenster und die Turmhalle wird mit einem Pultdach an die Kirche angeschlossen. Dass die Türme im Oberteil ehemals freier standen, kann man innen ohne weiteres sehen. Der Durchgang auf dem Dachboden ist ein Turmfenster! Das Dach der ehemaligen Basilika war also tiefer und flacher.

1536 Bis zur Einführung der Reformation 1539 standen in unserer Kirche viele Altäre. Erwähnt werden 1363 St. Johannis, 1392 St. Trinitatis, 1392 St. Maria - St. Laurentius - St. Matthäus (ein Geschenk des Markgrafen Wilhelm), 1442 St. Crucius, 1476 St. Fabian - St. Sebastian, 1536 St. Gangolphi und außerhalb der Kirche ein "altare kalendarum", ein Altar der Kaland-Bruderschaft im sogenannten Kalandhaus neben der Pfarre, wo sich die Brüder jeweils am Monatsbeginn trafen. Die Kalandstube wurde 1990 restauriert.

Die Kalandbrüderschaft war eine Art Fürsorgeorganisation, die seit dem 9. Jh. in ganz Europa tätig war. Sie wollten das kirchliche Leben bereichern und nahmen sich besonders des Totengedächtnisses an. Mit der Reformationszeit im 16. Jh. hörten die meisten Kalandbruderschaften auf zu bestehen. Heute existiert in Duderstadt/ Harz noch eine.

 

Blick Richtung Osten vom Dachboden der Nikolaikirche auf die Stadt Geithain

Blick Richtung Osten vom Dachboden der Nikolaikirche auf die Stadt Geithain

1539 wird am 1. Advent  der erste evangelische Gottesdienst gehalten von Anton Musa, Superintendent in Rochlitz. Daher ist dieser Tag bis heute "Kirchweihfest". Der erste evangelische Pfarrer hieß Johannes Sagittarius (Schütze).

1550 wird im nördlichen Seitenschiff ein in grotesker Manier aus einer Peniger Werkstatt gefertigtes Gestühl errichtet.

1577 aus diesem Jahr stammt der Epitaph hinter dem Altar für Joachim Honkirch, consulis Gaitani.

1581 bis ca. 1870 nutzt man den Nikolaikirchhof als Friedhof der Stadt, aber nur für die Bürger

1592 musste der Tischler Angermann ein Kästchen machen, da hinein wurde die Bibel  mit Veit Dittrichs Summarien gelegt und in den Altar vermauert.

1594 Abweichend vom ursprünglichen Plan einer Hallenkirche mit Kreuzrippengewölbe (siehe die noch vorhandenen Rippensätze an den Säulen) wird eine bemalte Felderdecke eingezogen. Die Ausführung übernimmt Andreas Schilling aus Freiberg.  Warum das Gewölbe nicht zur Ausführung kam, ist nicht bekannt. Um 1511 dürften Planungen zum Gewölbe der Geithainer Kirche bereits bestanden haben. Das Fehlen der Quellen lässt uns auch über die Person des Werkmeisters im Unklaren. Stilistische Übereinstimmungen der architektonischen Elemente deuten auf eine sehr enge Beziehung zum Hallenhaus der Leipziger Nikolaikirche. Dort erfolgte die Grundsteinlegung nachweislich im Jahre 1513.

Der Werkmeister der Geithainer Nikolaikirche könnte mit dem Leipziger identisch sein. Die Berufung nach Leipzig wäre auch ein möglicher Grund für das abrupte Bauende kurz vor der Einwölbung.

Dass die Geithainer Kirche in der Nachfolge der Leipziger Kirche entstanden sein könnte, ist unwahrscheinlich. Sie muss als Vorläufer der Leipziger Nikolaikirche angesprochen werden. 


Wenn man vom Altar in Richtung Pfingsttor schaut, sieht man von der Altarseite angefangen folgende Bilder:

     

 
 

 Mittelschiff:

 


Felderdecke 1

    St. Petrus

 

    Kursächsisches Wappen

    St. Matthäus

 

 

    Dreieinigkeit

 

    St. Andreas

 

    Brandenburger Adler

    St. Thomas

    St. Jacobus d. Ä.

 

 

    St. Jacobus d. J.

    St. Johannis

 

    Taufe des Herrn Jesus

    St. Simon

    St. Philippus

 

    Wappen der von Bünau

    St. Judas

    St. Bartholomäus

 

    Weltgericht

 

    St. Mathias

 
Die Unterschriften zusammen gelesen ergeben das Glaubensbekenntnis.
 

 Nordschiff:
 
Südschiff:

Felderdecke 2

Brustbild Melanchthons

Martin Luther Bildnis

Erschaffung von Adam und Eva

Geburt Jesu

Sündenfall

Beschneidung

Opferung Isaaks

Kreuzigung

Erhöhung der Schlange

Auferstehung

Bild des Hl. Nikolaus

Künstlerwappen

 
Die neutestamentlichen Bilder der Südseite entsprechen thematisch den alttestamentlichen der Nordseite. 

 

1596 der Taufdeckel wird fertiggestellt (steht jetzt in der Turmhalle);

1597 Der Freiberger Meister Peter Besler errichtet die Kanzel, an der Treppenbrüstung sind folgende Wappen zu sehen: Stadtwappen Geithain, Kursachsen, Brandenburg, von Bünau und eines Geithainer Bürgers.

Am Altar wird schon gearbeitet. Das ehemals im Freien stehende hölzerne Kruzifix wird an der Südseite des Schiffes (Taufk.) angebracht;

Westfenster und Orgel der Nikolaikirche Geithain1611 wird der gesamte Altar durch die Freiberger Werkstatt Andreas Grünberg aufgestellt. Der Hintergrund der Alabasterreliefs stammt mit Sicherheit nicht von Andreas Grünberg, sondern ist viel jüngeren Datums. Mit dem letzten Abschluß des Innenausbaus hat die Kirche im wesentlichen ihr jetziges Aussehen erhalten. Es fällt die starke Abweichung von einer geometrischen Mittellinie auf, die aber schon von der ältesten Anlage her gegeben war (stellt das geneigte Haupt Christi am Kreuz dar).

1718-1733 werden die beiden Logen (Rektorloge und Ratsloge) und der Bürgermeisterstuhl aufgestellt.

1736 Für dieses Jahr wird eine Kirchenuhr genannt, wahrscheinlich gab es schon 1569 eine.
Auf der heutigen Uhr lässt sich kein Alter und keine Firma finden. Sie wird 1902 gebaut sein.

1841 Zum ersten Mal wird die Verbindung der Geithainer Dohlenlegende mit dem an der Westseite der Kirche befindlichen Grabdenkmal eines Knaben von 1593 angezweifelt.

1902 erfolgt die letzte große Renovierung und Restaurierung. Die Deckenbilder erhalten einen Firnisanstrich, um die Farbe gegen Abblättern zu sichern. Das Westwerk wird von der Kirche her durchbrochen, um Platz für die Orgel zu schaffen. Diese wird von Schmeißer aus Rochlitz installiert und hat 36 Register, 2 Manuale und ein Pedal.

Die ehemals zwei kleinen Emporen werden auf eine größere reduziert. Alle Fenster erhalten eine neue Verglasung, an der Südseite ist der Lebenslauf des Menschen dargestellt, an der Nordseite eine Geithainer Stadtansicht mit Postmeilensäule, sowie Bildnissen Luthers und Melanchthons.Außerdem wurde die Rektorenloge aus dem Altarraum an ihre jetzige Stelle gesetzt.Von dem Maler Hausmann wurde dort das Bild "Jesus predigt" gemalt. Das hölzerne Kruzifix kam an seine Stelle.Überhaupt wurde die Kirche dem damaligen Zeitgeschmack angepasst.Auch eine Dampfheizung wurde eingebaut. Dabei werden aus dem Heizungskeller unter der Sakristei, dem ehemaligen Beinhaus, 44 Fuder Knochen abgefahren und in einem gemeinsamen Grab an der Ostseite des Kirchhofes begraben.

1926 werden Vorbereitungen für die Umdeckung des Kirchendaches vorgenommen, welche im Sommer zur Ausführung kommen. Die Giebelhöhe beträgt 19 Meter.

1966 am Heiligen Abend zerspringt die älteste Glocke nach vorhergehendem fehlerhaften Einbau einer elektrischen Läuteanlage!

1968 am 30. 6. werden zwei neu gegossene Glocken aufgezogen. Die Kirche hat jetzt wieder vier Läuteglocken, dazu eine Schlagglocke im Dachreiter für die vollen Stunden und eine Viertelstundenglocke im Ostgiebel.